Sportfluggruppe Lechfeld e.V.

Wo Träume Flügel haben...

News 2019

März 2019

Lechfeld - Trento auf Kilo - Art 

Wir befinden uns im Februar des Jahres 2019. Ganz Bayern litt unter einer Winterdepression… Ganz Bayern? Nein! Ein nicht ganz so kleiner Flugplatz hörte nicht auf der Trostlosigkeit des Winters Widerstand zu leisten. So kam es, dass sich zwei abenteuerlustige, junge Piloten auf den Weg vom schönen Lechfeld in das warme Italien machten… Aufgrund des bereits länger anhaltenden stabilen Hochdruckgebietes über Deutschland war die Gelegenheit günstig einmal den Sprung über die Alpen zu wagen. Leider sind für uns „Normalflieger“ die Mittel etwas begrenzt und so hatten wir statt einer schnellen Mooney die Wahl zwischen Ultraleicht und Motorsegler. 

 


Wer die Thematik Ultraleicht in Italien kennt, der weiß, dass man sich mit den bestehenden Bestimmungen entweder unter dem Radar „durchschleichen“ kann oder auch etwas offizieller fliegen kann, jedoch ohne italienische „Avanzato“ Lizenz immer in einer gewissen Grauzone – wo kein Kläger da kein Richter.


Auch wenn dies viele nutzen, so wollten wir lieber den formell korrekten und fliegerisch sicher anspruchsvolleren Weg gehen. Aber gerade das macht für uns den Reiz aus. Und somit fiel unsere Wahl auf den Motorsegler. Ein ideales Gerät, um nach Italien zu fliegen. Günstig wie ein Ultraleicht aber von ATC wie ein Echo Flieger gehandhabt – und das ganz legal. Und um dem ganzen noch ein bisschen Charme zu verleihen entschieden wir uns nicht für unsere zwar als Reiseflugzeug bestens geeignete G109, sondern für den Rotax Falken, der zwar nicht mit Reichweite, Geschwindigkeit und Platz, jedoch mit einer hervorragenden Steigleistung besticht.


LOWI - Innsbruck Airport



Mit dem Falken nach Italien – einfach kultig! Für einen Tagesausflug erkoren wir Trento als Destination aus. Klassisch sollte die Route direkt über Innsbruck und anschließend den Brenner sowie Bozen bis zum Ziel führen. Die Flugpläne für Hin- und Rückflug gaben wir bereits am Abend des Vortages bei der DFS auf. Am nächsten Vormittag checkten Lukas und ich noch einmal das Wetter und mussten feststellen, dass wir in der Höhe mit Winden bis zu 50 Knoten aus nordöstlicher Richtung zu rechnen hatten.

Wir checkten kurz noch einmal die berechneten Flugzeiten und betankten anschließend den Falken randvoll. Jeder weitere Tropfen Kraftstoff hätte zum Überlaufen geführt. Anschließend „Bording“. Bepackt mit Kniebrettern, Karten usw. kamen wir uns im etwas engen Falken beinahe wie Flugpioniere vor. Nach dem Start wechselten wir sofort zu Langen Information, um unseren Flugplan zu öffnen. Mit Kurs nach Süden stiegen wir entschlossen der Alpenkette entgegen. Circa zehn Meilen vor unserem ersten Waypoint Innsbruck wechselten wir zu Innsbruck Radar.

Anflug auf Trento


Short final Runway 36


Der wirklich freundliche Lotse gab uns ein direktes „Crossing“ in FL100 frei. Diese Höhe war nicht nur aus Sicherheitsgründen von Vorteil, da wir anschließend ziemlich direkt über Grat nach Bozen fliegen konnten, sondern wir konnten dabei auch noch den kräftigen Rückenwind nutzen und hatten mit dem Falken teilweise eine Groundspeed von 120 Knoten. Nach dem Verlassen den Innsbrucker Luftraumes meldeten wir uns bei Padua Information, was aufgrund unserer Höhe auch möglich war. Italiener sind sehr gesprächig und so wollte der Controller gleich die voraussichtliche Ankunftszeit in Trento wissen. Dies unterscheidet die italienische FIS ein bisschen von der deutschen.

Es fühlt sich ein bisschen kontrolliert an. Letztenendes aber nicht weiter schlimm, wenn man einfach mitspielt. Hauptsache viel reden eben. Nachdem wir Bozen passiert hatten begannen wir den Sinkflug nach Trento. Nach dem initial Call und einigen Warteschleifen durften wir in die Platzrunde für die Piste 36 einfliegen. Der Gegenanflug gestaltet sich relativ spektakulär direkt an der Felswand und entlang von Felsvorsprüngen. Nach circa 1,5 Stunden setzen die Räder des Falken auf italienischem Boden auf. Mit bisschen mehr als anderthalb Stunden Flugzeit landeten wir in LIDT! Die Freude war groß. Immerhin hatten wir unser Ziel schon mal erreicht! Zumindest die Hälfte; nach Hause wollten wir natürlich schon wieder. Anschließend rollten wir direkt zur Tankstelle. Diese muss man mit Bargeld füttern und bekommt dann das Rückgeld am Turm.

Endlich angekommen


Mit 1,83€ für einen Liter Mogas für italienische Verhältnisse denke ich auf jeden Fall in Ordnung. Obgleich sich das Tanken als sehr einfach darstellte, war es umso schwerer in das Towergebäude zu gelangen. Dort gibt es eine Klingel, worauf dann der Flugleiter öffnet. Nur kam unser Klingeln beim Flugleiter nicht an. Im Übrigen war auch nicht viel los und so standen wir ca. 15 Minuten vor verschlossenen Türen. 



Natürlich aus Gründen der Sicherheit – da nehmen es die Italiener sehr genau. Zufällig kamen dann zwei Einheimische vorbei die uns elegant per Fingerabdrucksensor Zutritt verschafften. Nach der Bezahlung der Landegebühr von 14 € baten wir den Flugleiter noch unseren Flugplan etwas nach vorne zu verlegen. Nach einem kurzen Telefonat mit Padua kein Problem. Nachdem wir uns am Hinflug auf FL 100 über den Dingen und damit bei dem kräftigen Wind auch über der Luv- und Leewirkung der Berge befanden so konnten wir das beim Rückflug nun nicht mehr vernachlässigen. Und so flogen wir auf der Westseite des Tals entlang und konnten dabei den Hangaufwind nutzen. Man bedenke, dass Trento auf ca. 600 ft MSL liegt. Es muss also direkt ordentlich geklettert werden. 

Dies ist keine Kontrollzone, jedoch sollte man dort auf Verkehr achten und sich am besten anmelden. Der Flugleiter wollte unsere Route wissen und wies uns an, uns beim Ein- und Ausflug an den entsprechenden Pflichtmeldepunkten zu melden. Wir befolgten dies und so ist der Ablauf völlig unproblematisch. Padua Information braucht man in diesen Höhen jedoch erst gar nicht versuchen zu rufen. Wir verließen also die Frequenz von Bozen und flogen das Tal entlang Richtung Norden. Bei Sterzing konnten wir dann sogar in den Wellen einiger Lentis steigen. Insgesamt hielten sich die Turbulenzen aber in Grenzen, auch wenn uns bereits beim Hinflug eine E-Maschine entgegen kam die wegen angeblicher schwerer Turbulenzen über dem Brenner wieder umdrehte. Sobald wir wieder in Empfangsweite waren meldeten wir uns bei Innsbruck Radar. 


Ohne Probleme genehmigte uns der Lotse wieder den Durchflug von Süd nach Nord. Nach knapp zwei Stunden Flugzeit konnten wir unseren Flugplan auf Langen Information bereits 20 nm vor ETSL schließen und kamen letztendlich wieder in der Heimat an, wo wir durch unsere Fliegerfreunde mit einem „drink-after-flight Bier“ begrüßt wurden. 





Februar 2019

Mit viel Elan in die neue Saison - Seminar zum Thema Streckenflug

Das fliegerische Handwerk ist erst einmal gelernt, dennoch braucht es einiges an zusätzlichem  Wissen, um mit einem Segelflugzeug erfolgreich auf Strecke gehen zu können. Deshalb haben wir uns gedacht, speziell für unsere jungen Scheininhaber ein kleines Seminar zum Thema Streckenflug abzuhalten.  Am Samstag fanden sich dann rund 10 neue und auch erfahrene Streckenflieger in unserem Unterrichtsraum ein. Dabei startete Joffrey  mit dem Thema Flugplanung & Vorbereitung. Er erklärte, dass die Vorbereitungen für einen Streckenflug bereits Werktags während der Woche beginnen würden, indem man schon einmal die Wettervorhersage für das Wochenende im Auge behalten solle, denn am Samstagmittag zu entscheiden „ich gehe jetzt doch noch auf Strecke“ sei verständlicherweise zu spät. Außerdem solle man sich Checklisten und alle nötigen Dinge wie Bordverpflegung, Kleidung, Kartenmaterial usw. schon vorher einmal zurechtlegen. 



Des Weiteren kamen Themen wie Streckenplanung und Beispielrouten, bei denen man immer an einen Flugplatz zurückkommt zur Sprache. Natürlich konnten unsere „alten“Streckenflieger auch den ein oder anderen interessanten Beitrag aus ihrem Erfahrungsschatz leisten und so wurde in lockerer Atmosphäre untereinander diskutiert. Anschließend referierte Felix über das Thema Außenlandung. Dabei zeigte der Vortrag die geltenden Lehrbuchmeinungen auf, welche, wenn beachtet die Risiken einer Außenlandung reduzieren helfen. Damit es allerdings gar nicht erst zu einer Außenlandung kommt berichtete Jürgen unser Wetterspezialist, der lange Jahre bei der Bundeswehr Wetterberater war und ebenfalls begeisterter Streckenflieger mit reichlich Wettbewerbserfahrung ist über die Interpretation von Wolken,  meteorologischen Zusammenhängen und auch der Vorbereitung eines Streckenfluges. 

Nach so viel Theorie können es nun alle Teilnehmer kaum abwarten das Gelernte in der Praxis umzusetzen. Unsere Streckenflugrookies jedenfalls freuen sich schon auf die kommende Saison, gute Bärte und hoffentlich viele Streckenkilometer!